Seligsprechungsprozess für ermländischen Bischof

Bischof Maximilian Kaller
Farbgemälde von Bischof Maximilian Kaller

Für den letzten deutschen Bischof des Bistums Ermland (heute Erzbistum Ermland), Maximilian Kaller, haben deutsche und polnische Ermländer einen Seligsprechungsprozess. Bischof Maximilian Kaller, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom Papst zum Vertriebenenbischof ernannt wurde, starb im Jahr 1947. Seitdem wird er von vielen Ermländern aus Vorbild der Kirche verehrt. Er wurde Namensgeber für die wenige Jahre nach seinem Tod gegründete Bischof-Maximilian-Kaller-Stiftung e.V..

Erzbischöfe Meisner und Piszcz eröffnen Prozess

Es war ein großer Tag für die Ermländer. Der 4. Mai 2003 wird daher vielen in guter Erinnerung bleiben. Zu verdanken ist dies einem Mann der - leibhaftig - gar nicht dabei war: Maximilian Kaller. Der letzte deutsche Bischof von Ermland stand im Mittelpunkt der 56. Werl-Wallfahrt der Ermländer - zu sehen auf großen Bildern im Altarraum und auf dem Vorplatz der Basilika, mitzunehmen auf Gebetszetteln und Novenen-Büchlein, verwurzelt im Herzen vieler Ermländer.

Mit der von den Erzbischöfen Joachim Kardinal Meisner (Köln) und Dr. Edmund Piszcz (Olsztyn/Allenstein) gemeinsam mit Visitator Msgr. Dr. Lothar Schlegel (Münster) vollzogenen Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens für Bischof Maximilian Kaller (1880 bis 1947)  ist ein großer Wunsch der Ermländer in Erfüllung gegangen. Viele schauten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auf zu ihrem Bischof, der ihnen in der Zeit der Bedrängnis, der Trauer und der Zerstreuung immer wieder Stütze und Wegweiser war. Der Wunsch, Bischof Kaller als Seligen verehren zu dürfen, ist in den zurückliegenden Jahren immer stärker geworden. Tausende von Unterschriften und zahllose Briefe zeugen davon.

Kardinal Meisner bezeichnete Bischof Kaller daher in seiner Werler Predigt zu Recht als einen Seelsorger, der sich für alle Heimatvertriebenen in dieser Hirtensorge buchstäblich verzehrt habe. „Seine Spuren sind euch als sein Vermächtnis verblieben’, so der Kölner Kardinal wörtlich. Er erinnerte an zwei Ereignisse, bei denen ihm Kaller als Vorbild begegnet ist. So habe er als Kaplan in Heiligenstadt (Eichsfeld) Kontakt zu zwei ermländischen Lehrerinnen gehabt. Als die ältere von beiden im Jahre 1967 auf dem Sterbebett lag, habe die andere zu ihr gesagt: „Thea, nun mach unserem Bischof Kaller alle Ehre und sterbe mit einem starken und großen Glauben.“ Der Kaplan war beeindruckt. „Was muss denn das für ein Bischof sein, der 20 Jahre nach seinem eigenen Sterben seinen Gläubigen noch sterben hilft?“, fragte sich Meisner damals.

Der Kardinal erinnerte sich auch einen von zwölf Priestern, die aus der neunjährigen Berliner Zeit von Kaller hervorgingen. „Wie hat das denn damals Pfarrer Kaller gemacht? Ich möchte ihm das nachmachen.“ So fragte Kardinal Meisner, damals Bischof von Berlin, diesen Priester.  Die Antwort war einfach und verblüffend zugleich: „Er konnte in der sonntäglichen Nachmittagsandacht eine halbe Stunde im Mittelgang auf den Steinen knien und ohne Buch aus dem Herzen so beten, dass er uns alle mitnahm an das Herz Gottes.“

Ein Verdienst Bischof Kallers sei es nach Ansicht von Kardinal Meisner auch, „dass die Ermländer von allen Vertriebenen - das sage ich als vertriebener Schlesier ohne Neid - wohl am besten die Bewährung im Glauben gezeigt haben.“ Begründet sei dies „wohl in der 19-jährigen pastoralen Tätigkeit eures letzten deutschen Bischofs“.

In einem von Erzbischof Dr. Piszcz verlesenen Schreiben begrüßte auch der Primas von Polen, Josef Kardinal Glemp, die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses. „Ich freue mich, dass dieser Mann Gottes, welcher der Kirche in schwierigen Zeiten gedient hat, immer seinem Motto >Die Liebe Christi drängt mich< treu geblieben ist und beim gläubigen Volk im Rufe der Heiligkeit steht.“ Piszcz nannte Kaller ein Vorbild für Priester und Gläubige. So habe der aus der Heimat vertriebene Kaller, wie Piszcz bereits zu seinen Studienzeiten in Mainz erfahren hatte, nach dem Zweiten Weltkrieg eine von den Alliierten angebotene standesgemäße Wohnung für sich abgelehnt. „Ich verzichte gerne auf das freundliche Angebot, aber ich will so leben wie meine Diözesanen“, zitierte Piszcz den letzten deutschen Vorgänger in seinem Amt. „Seine Diözesanen müssten auch mit mehreren Personen in Einraumwohnungen leben“, habe Kaller gesagt.

Erstmals in der katholischen Kirchengeschichte setzen sich damit Deutsche und Polen gemeinsam für die Seligsprechung eines Bischofs ein.  Mit Bischof Kaller soll eine Persönlichkeit der katholischen Kirche selig gesprochen werden, die sich bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg für die Versöhnung der Deutschen mit den Menschen in den mittel- und osteuropäischen Nachbarstaaten sowie den Frieden unter den Völkern eingesetzt hat. „Wer um den Frieden betet, muss auch dem Frieden leben“, hatte der vom Papst mit der Seelsorge an den heimatvertriebenen Deutschen beauftragte Bischof im in seinem Fastenhirtenbrief 1947 geschrieben. Entschieden sprach er sich in diesem Schreiben gegen Rache und Vergeltung aus: „Wir haben dankbar vernommen, dass in aller Welt die Stimmen derer sich mehren, die zur Mäßigung der Vergeltungsansprüche und zur Verantwortung gegenüber dem unteilbaren Frieden der ganzen Menschheit mahnen, der nur auf der Achtung der gottgegebenen Völker- und Menschenrechte geschlossen werden kann.“

Bischof Kaller hatte sich immer wieder öffentlich gegen die nationalsozialistische Weltanschauung ausgesprochen und unter den schwierigen Verhältnissen der Kirchenpolitik des Dritten Reiches die pastorale Aufgabe der Kirche verteidigt. Repressalien seitens des NS-Staates gegen ihn und seine Priester waren die Folge. An der von ihm geförderten Seelsorge für die polnischesprachige Minderheit hielt Kaller lange fest: Er selbst hatte wiederholt polnisch gepredigt, trotz des von den Nationalsozialisten geforderten Verbots. Für die Gläubigen war Bischof Kaller ein großes Vorbild, der seinen wegweisenden Worten auch entsprechende Taten folgen ließ. Sein Angebot, als Seelsorger in ein Konzentrationslager zu gehen, lehnte der Nuntius ab.

Die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses ist auf ein großes öffentliches Echo gestoßen. Viele Kirchenzeitungen, etliche regionale Tageszeitungen, die Nachrichten-Agenturen dpa und KNA, das Regionalfernsehen (WDR) sowie lokale wie regionale Hörfunksender (WDR) haben über Bischof Kaller und die Ermländer berichtet. Berichte gab es darüber hinaus in Publikationen der Heimatvertriebenen und der deutschen Minderheit im Ermland. Selten ist über die Ermländer so umfassend und weit verbreitet berichtet worden. Selten ist aber auch ein Seligsprechungsprozess so öffentlich eingeleitet worden. Darauf hatte der Offizial des Bistums Münster, Msgr. Martin Hülskamp, bei der Zeromonie aufmerksam gemacht.

Im Rahmen des Seligsprechungsprozesses prüft die katholische Kirche, ob Kallers Wirken als Beispiel christlichen Lebens für die Kirche eines Landes, eines Bistums oder auch für eine bestimmte kirchliche Gemeinschaft herausgestellt werden kann. Dabei wird hinterfragt, ob er - auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod - noch von vielen Menschen verehrt wird. So hatte Visitator Dr. Schlegel aufgerufen, ihm Gebetsanrufungen und Gebetserhörungen mit Blick auf Bischof Kaller mitzuteilen.

Der Visitator Ermland, der den Seligsprechungsprozess ins Rollen gebracht hat, ist  verantwortlich für das Sammeln von Informationen über Bischof Kaller, die belegen, dass sein Leben und Sterben außerordentlich war, ob er im Ruf der Heiligkeit stand, herausragende Tugenden vorlebte oder Wunder tat. Die bei der Wallfahrt in Werl vereidigte Kommission hat diese Unterlagen zu prüfen, Interviews zu führen und das Leben Kallers theologisch wie historisch zu bewerten. Dabei sind auch alle möglicherweise kritischen Punkte im Leben von Bischof Kaller zu untersuchen.

Nach Abschluss dieses Verfahrens werden die gesammelten Akten nach Rom an die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen weitergeleitet. Diese 1969 von Papst Paul VI. im Zuge einer Kurienreform gegründete Institution prüft in einem eigenen Verfahren die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen. Über mögliche Wunder, die von dem Betreffenden erwirkt worden sein sollen, holt die Kongregation mehrere voneinander unabhängige Gutachten ein.

Im Rahmen des Zeitzeugen-Verfahrens sind eine Vielzahl von Interviews geführt und Unterlagen zusammengetragen worden. Dort müssen diese ins Italienische übersetzt werden, ehe sie an die vatikanische Kongregation überreicht werden. Der Tugend-Prozess auf Diözesanebene ist 2013 bei der Wahlfahrt in Kevelar abgeschlossen worden. Nunmehr ist auf einen Wunderprozess zu hoffen. Alle, die Bischof Maximilian Kaller verehren, können mit ihrem Gebet dazu beitragen, den Seligsprechungsprozess für den Diener Gottes voranzubringen.

Vita von Bischof Maximilian Kaller

1880Maximilian Kaller wird am 10. Oktober in Beuthen, Oberschlesien, geboren
1903 – 1917Nach der Priesterweihe in Breslau wird er Kaplan in Groß-Strehlitz, dann Missionspfarrer auf Rügen
1917 – 1926Pfarrer an St. Michael, der größten und schwierigsten katholischen Gemeinde in Berlin. Mit Unterstützung u. a. von Dr. Carl Sonnenschein und P. Johannes M. Haw baut er ein umfassendes Sozialwerk für Arbeitslose und Notleidende auf.
1926 - 1930Administrator der Apostolischen Administratur Schneidemühl
1930Ernennung zum Bischof von Ermland durch Papst Pius XI. Nach der Weihe in Schneidemühl durch Nuntius Orsenigo, Bischof O´Rourke von Danzig und Weihbischof Hillebrand aus Paderborn. Wahlspruch: Caritas Christi urget me - Die Liebe Christi drängt mich.
1932 - 1939Weihe des Braunsberger Priesterseminars, Feier einer Diözesansynode und Herausgabe eines neuen Diözesangesangbuches sowie eines Rituale in Latein, Deutsch, Polnisch und Litauisch. Ernennung auch zum Apostolischen Visitator der Prälatur Memel durch Papst Pius XII.
1942Vergebliches Ansuchen beim Berliner Nuntius, unter Verzicht auf Ermland als Häftlingsseelsorger in ein KZ zu gehen.
1943Bischof Maximilian Kaller weiht in Branitz den Apostel der Caritas Joseph Martin Nathan zum Weihbischof für die deutschen Gebiete des Erzbistums Olmütz. Ihm assistieren Bischofkoadjutor Wienken von Meißen und Weihbischof Ferche aus Breslau.
19457. Februar. Zwangsweise Deportation aus dem Ermland durch den Sicherheitsdienst der Gestapo. Nach abenteuerlicher Rückkehr in sein Bistum wird er vom polnischen Primas Kardinal Hlond zum Verzicht auf seine Jurisdiktion im polnisch besetzten Ermland gedrängt. Er wird abermals ausgewiesen.
1946Ernennung zum "Päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen" durch Papst Pius XII.
Von Halle a. d. Saale, dann von Wiedenbrück und Frankfurt a. M. aus wird Flüchtlingsbischof Maximilian nicht müde, unter primitivsten Bedingungen die ihm anvertrauten Heimatlosen in Wort und Tat aufzurichten. Als erster deutscher Bischof besucht er das Priesterseminar hinter Stacheldraht des Abbé Franz Stock in Chartres wie nach ihm Nuntius Roncalli, der spätere Johannes XXIII. Im November 1946 kann er in Rom Pius XII., der ihn seit den gemeinsamen Berliner Jahren schätzt, vom Leid der Heimatvertriebenen berichten. Gezeichnet von seelischen und physischen Strapazen predigt Bischof Maximilian im Sommer 1947 auf zentralen Wallfahrtsgottesdiensten der Heimatvertriebenen in Werl und Vierzehnheiligen.
19477. Juli. Tod in Frankfurt a. M. an Herzversagen, Grab in Königstein i. T. Das letzte Geleit geben ihm neben vielen Trauernden der Päpstliche Delegat Erzbischof Muench und die deutschen Metropoliten mit Josef Kardinal Frings von Köln.
20034. Mai. Eröffung des Seligsprechungsprozesses bei der Wallfahrt der Ermländer in Werl.

Gebet um die Seligsprechung

Bischof Maximilian Kaller

Das „Gebet um die Seligsprechung des Bischofs von Ermland Maximilian Kaller“ ist erstmals in der Osterausgabe 2002 der „Ermlandbriefe“ veröffentlicht worden. In der Zeitschrift „Ermlandbriefe“ (Weihnachten 2001) hatte der damalige Visitator der Ermländer, Msgr. Dr. Lothar Schlegel, die Gläubigen, die sich in ihren Anliegen und Nöten um Fürsprache an Bischf Maximilian Kaller gewandt haben, aufgerufen, ihm Gebetsanrufungen und Gebetserhörungen mitzuteilen. Über solche Gebetsanrufungen und Gebetserhörungen war schon in früheren Ausgaben der „Ermlandbriefe“ - heute Quartalszeitschrift des Vereins Ermlandfamilie - berichtet worden. Das „Gebet um die Seligsprechung des Bischofs von Ermland Maximilian Kaller“, das auch in polnischer Sprache vorliegt. wird nachfolgend dokumentiert:

 

Gebet um die Seligsprechung

des Bischofs von Ermland

Maximilian Kaller

 

Vater im Himmel!

Du hast Deinen Diener Maximilian zum Priester erwählt und ihn in schwerer Zeit zum Seelsorger in Berlin, Oberhirten von Schneidemühl und Bischof von Ermland bestellt. In Deiner Kraft hat er unerschrocken das Evangelium verkündet, den Armen und Entrechteten gedient, sich für die Verwirklichung Deines Reiches auf Erden verzehrt. In der schweren Prüfung der Heimatlosigkeit war er als Päpstlicher Sonderbeauftragter den ihm Anvertrauten ein Vorbild unerschütterlicher Glaubenstreue. Nach seinem Tod haben viele Gläubige an seinem Grab gebetet, ihn um Fürsprache angerufen und Erhörung gefunden.

In Demut bitten wir Dich, barmherziger Gott, schenke uns Bischof Maximilian als besonderen Schutzpatron der Flüchtlinge und Heimatlosen Europas. Möge er sich unserer Nöte bei Dir annehmen und der Versöhnung der Völker und dem Frieden unter den Menschen dienen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Mit kirchlicher Druckerlaubnis. Nur für den Privatgebrauch.

Gebetserhörungen bitte mitteilen: Msgr. Dr. Lothar Schlegel, Ermlandweg 22, 48159 Münster